Herzberg löst das Problem…

Nach dem Regen kam die Sonne, diesmal brannte sie gnadenlos. Ein seltsamer Haufen hatte sich eingefunden, jedes Jahr entsteht ein neues Camp. Dieses Mal kein schwäbischen Dorfrocker neben uns und auch kein Geldmonster aus Zürich, das von alpenländischen Retro-Hippies unter fadenscheinigen Versprechungen (und vermutlich nur um seines Autos willen) auf den Berg gelockt wurde…

Diesmal war der Stoppelacker unser Lager, scharf und spitz für die Zelter, egal für Wohnmobilisten, die mit ihren mächtigen Behausungen zumindest rettenden Schatten spenden konnten. Kalter Weißwein unter dem Original-Retro-Schattenzelt, mit Knoblauch-und-Möhreneintopf vom verbotenen Gaskocher. Die in unablässigem Strom auf dem gelben Ackerweg an uns vorüberziehenden Gäste aus den weiter abseits gelegeneren Quartieren zogen unterschiedlich intensive Shit-Wolken hinter sich her, die sich unter unserem Zeltdach mit den eigenen Lotus-düften vermischten. Aus unerschöpflich scheinendem Vorrat zog Lotus die schmalen, akribisch gerollten Tüten hervor und sank möglichst leicht bekleidet zu jeder nur möglichen Tageszeit auf einen der Campingstühle nieder.
Lotus war der Einzige, der die unerbittliche Sonne jeden Tag aufs neue begrüßt hat: weit weg von uns am Waldrand breitete er morgens seine Yoga-Matte unter einer schützenden Kiefer aus und hieß sie splitterfasernackt willkommen…
 

Der trockene Staub legte sich über alles, Sturmböen nutzten die akribisch über den Acker gezogenen Pfade dazu, sich zu kleinen Windhosen aufzutürmen und die gelben Halme zu bewegenden Säulen zu formen. Die Nacht war unser Freund, schwarzer Himmel voller Musik. Wein, Wodka und Bier verlangsamen die Gespräche immer mehr, bis auf dem Heimweg die ersten Sonnenstrahlen über den Wald kriechen und manch verwirrtem Suchenden durch das Meer von grauen Zelt-Mobilen endlich den Weg zum eigenen Schlafsack weisen.

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Dank an all die wunderbaren tanzenden Menschen auf dem Burg Herzberg Festival, die die Lösung des Problems offensichtlich begriffen haben…

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