5 | Der monotone Sommer

Nach der Revolution ist vieles anders geworden, einiges hat sich sogar gebessert, besonders das Wetter. Im Gegensatz zu einer ganzen Reihe von Mitmenschen, für die vermutlich der Sommerurlaub erfunden wurde, lehne ich Temperaturen über 22 Grad ab. Als eingeborener Nordeuropäer verbringe ich den Sommer natürlich in Nordeurpa – und zwar aus diesen Gründen:

  • Hier gibt es Wolken, die die außerhalb des Hutschattens liegende Körperteile schützen können.
  • Hier gibt es Regen, der die Geißel der Menschheit, den Staub, aus der Luft wäscht und ab und an geradezu erfrischend auf das Kinn tropft.
  • Hier sind weniger Menschen. Besonders in Berlin ist die sommerliche Erleichterung, die der Stadt durch die vielen ausgereisten Urlauber erfährt, deutlich zu spüren: Auch wenn mich Parkplätze nach dem Ableben des letzten von mir mit gutem Gewissen als „Automobil“ zu bezeichnenden Fahrzeuges eigentlich nicht mehr interessieren, so sind die verwaisten Abstellplätze doch ein deutliches Zeichen für den neuen Status der Stadt.
    Vielleicht ist es ja Wunschdenken, aber wenn mich nicht alles täuscht, nutzen auch die Touristen im Sommer bevorzugt CO2-Killer, die nach Süden unterwegs sind…
  • Sehen Spargelbeinchen, die aus den irgendwo zwischen Gesäßfalte und Fußknöchel abgeschnittenen Sommerhöschen frischluftfanatischer Männer herausragen, einfach Scheiße aus.
  • Und zu guter Letzt befinde ich mich auch noch in bester Gesellschaft anderer Nordeuropäer, die aus ähnlich schaurig-schönen Regenländern kommen: unvermeidlich hier mein Lieblingszitat, das jeder auf die Ohren bekommt, der sich bei „schönem“ Sonnenwetter in meiner Nähe befindet: „When i see a cloudless sky, i feel the world is comming to an end“ von dem seeligen Ingmar Bergmann – oder, nicht weniger eindeutig, der arme Joyce im sonnigen Triest: „I hate a damn silly sun that makes men into butter.“

PS: Da können wir den Kreis dann auch ganz schließen: „The damned monotonous summer was over and the rain and soft air made me think of the beautiful (I am serious) climate of Ireland.“ – aus diesem Land stammt dann auch das Foto…

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