WZ | Die Gier der Anderen

In diesen bewegten Zeiten hinterlässt der Neoliberalismus seine schleimigen Spuren immer deutlicher. Die Gier hat sich in den Köpfen eingenistet und verseucht alles.

Mit unverfrorener Dreistigkeit bedienen sich gewählte Volksvertreter selbst, sie greifen zu, was ihnen andere vorbereitet haben, nehmen mit, was geht und ändern nichts daran. Mit einer maßlosen Selbstverständlichkeit erheben sich diese so genannten Volksvertreter über das Volk, das sie weder kennen wollen noch kennen können, weil sie sich ja nicht einmal selbst erkennen. Was ihnen angemessen scheint, ist nichts weiter als ein Ausdruck ihrer Vermessenheit. Ohne Maß bleibt das Angemessene in der Vermessenheit gefangen, was sie als angemessen bezeichnen hat keinen Bezug. In diesen Köpfen hat der Neoliberalismus sein furchtbares Werk getan und den Menschen das Maß für die Dinge genommen. Ohne Maß scheint ihnen berechtigt, wofür es keine Berechtigung gibt. Ohne Maß verkommt die Beauftragung durch das Volk zu einer vermeintlichen Auszeichnung des eigenen Erfolges. Der Auftrag wird so schon zum Erfolg, ohne Leistung, ohne eigenes Zutun. Dem Volk, das aus seinen Reihen seine Vertreter als seine Auftragnehmer wählt, sind sie in Wahrheit zu nichts verpflichtet, am wenigsten zum Erfolg. Allein die Wahl ist das Maß, allein der Auftrag lässt sie tatsächlich glauben, sie hätten verdient, was sie verdienen.

  • Anders lässt sich nicht erklären, warum ein saarländischer Minister aus der Jamaika-Koalition nach zwei Jahren Zugehörigkeit zu einer gescheiterten Regierung Anspruch auf eine Pension hat, für die ein Normalverdiener sechzig Jahre arbeiten müsste.
  • Anders lässt sich nicht erklären, warum sich die drei Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung in Berlin nach fünfjähriger Amtszeit ein „Wiedereingliederungs“honorar in Höhe von je ca. 180.000,- Euro auszahlen können, das für die Neueröffnung einer auf Grund der Vorstandsarbeit geschlossenen Praxis gedacht ist, obwohl zwei von Ihnen ihre Praxis gar nicht geschlossen haben und alle drei den Job noch weiter fünf Jahre machen wollen.
  • Anders läßt es sich nicht erklären, das der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sich selbst den Jahresverdienst um neunzigtausend Euro erhöht hat, diese Regelung jetzt tatsächlich vom Gesundheitsministerium zur Rücknahme angemahnt wurde, und er aber trotzdem das Amt als auch die bisher schon zuviel gezahlten Gelder behalten kann.
  • Anders läßt es sich nicht erklären, das ein normalen Wähler ca. zweihundertzwanzig Jahre in die Rentenkasse einzahlen müßte, um eine ähnlich hohe Pension zu bekommen wie die von ihm gewählten Minister im Saarland und in Sachsen-Anhalt. Ob der Wähler das gewußt hat?

usw.

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